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Johanniskraut
Hypericum perforatum L.
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Auf
vielfachen Wunsch wird in den folgenden Pflanzenvorstellungen auch näher auf
die
Verwendung in der Volksheilkunde der früheren Zeiten eingegangen, die
weitergehende Anwendungen kannte als die heutige medizinische Praxis.
Beginnend heute mit dem Johanniskraut, das Paracelsus als Allheilmittel
bezeichnete. Die „Altvorderen“ sprachen ehrfurchtsvoll:
„Balsam für Körper, Geist und Seelist das Johanniskraut mit seinem Öl.“
Seinen Namen erhielt das Johanniskraut im alten Griechenland, weil es den Büsten
der Götter um die Köpfe geflochten wurde – hyper Ikon. Daraus wurde
lateinisch Hypericum perforatum (durchlöchert). Auf der Unterseite der Blätter
erkennt man mit bloßem Auge unzählige von kleinen „Löchern“, das sind
die Pflanzendrüsen, die das berühmte heilsame, ätherische Öl regelrecht
ausschwitzen.
Bei uns in Deutschland ist der geläufigste Name Johanniskraut, weil es um den
Johannistag (24.06.) herum zu blühen beginnt und bei Druck auf die Blüte der
violett bis rubinrote Ausfluss des ätherischen Öls auf der Haut als
„Blutstropfen“ des Johannes des Täufers erscheint.
Weitere Namen: Johannisblut, Jesublutwundenkraut, Blutkraut, Wundkraut,
Frauenkraut, Frauen-Bettstroh, Liebeskraut, Hartheu, Tüpfelhartheu, weil
Hartheugewächs, Hexenkraut u.a.
Die einzelnen volkstümlichen Namen sagen schon viel über die Eigenschaften
aus:
Blutstärkend und –verbessernd, Wund-und entzündungsheilend,
schmerzlindernd.
Die Bezeichnung „Frauen-Bettstroh“ zeigt darauf, dass das Johanniskraut
auch Inhalt des
Strohsacks war.
Ein Artikel über die „Gesundheit im Strohsack“ folgt in Kürze.
Der weitere Hinweis auf „Frauen“ sagt, dass Johanneskraut für viele
Frauenleiden verwendet wurde und wird: Verzögerung bzw. Ausbleiben der
Menstruation,
Weißfluss, Gebärmutterkrämpfe und –schleimhautentzündung, heftige migräneartige
Kopfschmerzen, Darm-und Blasenentzündungen.
Die Sexualorgane der Frauen waren etwas „Heiliges“ und Kindersegen ein
Geschenk des
Himmels. Heute ist erwiesenermaßen bekannt, dass viele nervöse und
gesundheitliche Störungen bei Frauen mit den Sexualorganen zusammenhängen.
Johanniskraut spricht bei Frauen ganz besonders gut an.
Die bekannte Kräuterfrau Grete Flach () aus Büdingen sprach immer vom
Jesublutwundenkraut oder Johannisblut. Damit fügte sie den Glauben in alle
nur denkbaren Heilvorgänge ein. „Das sind alles Wunden, die heilen müssen!“
So aktivierte sie zusätzlich die Selbstheilungskräfte, denn schließlich
waren stets auch noch Jesus und Johannes als Glaubenshelfer an der Genesung
beteiligt. Grete Flach, die der Verfasser im letzten Jahr ihres Lebens in
seinem Hause in Büdingen selbst pflegte bzw. liebevoll pflegen ließ durch
die Schwestern Maria und Jovanka, wurde fast 100 Jahre alt. Sie war eine außergewöhnliche
Frau und Heilerin in großer persönlicher Einfachheit und natürlicher Schönheit.
Grete war die unerreichte kompetente Autorität im Kräuterwissen und
begnadete Lehrmeisterin. Die unnachahmliche Art ihres Heilens bis ins höchste
Alter steht auch für das tatsächliche „Werden“. „Das wird dir helfen
mein Kind, du wirst gesund! Gott mit dir.“ Grete Flach hat es verdient, dass
sie in ihrer jahrzehntelangen liebevollen Heiltätigkeit gewürdigt und nicht
vergessen wird.
Weitere Anwendungen:
Gelenk-und Hüftschmerzen, Hexenschuss, Ischias, Rheumatismus. Das ist sehr
einsichtig, da bei diesen Störungen die Verbindung zwischen den
Nervenleitungen und dem Muskel-und Fleischgewebe gestört ist. Nach
Operationen und Nervenverletzungen, Nervenkrämpfe. Hier wirkt das
Johanniskraut ganz besonders heilend und regt die Nervenkraft der einzelnen
Organe an.
Verbrennungen, Verbrühungen, Verätzungen (innerlich und äußerlich), auch
durch Gifte,
Sonnenbrand. Das Hypericin in Johanniskraut erhöht die Lichtempfindlichkeit
der Haut. Deshalb ist Vorsicht geboten in südlicher Sonne bzw. auch bei dem
Besuch von Solarien. Bei zugezogenem Sonnenbrand jedoch hilft das Johannisöl
oder das Johannisölbad.
Blutergüsse,
Brüche,
Prellungen,
Schürfungen,
Eiterungen,
Entzündungen im Mund-und Rachenraum,
Schleimhaut-Katarrhen,
Asthma,
Bronchitis,
Magenschleimhaut-und Darmentzündungen,
Magen-und Zwölffingerdarmgeschwüre,
Darmparasiten,
Drüsenanregend, insbesondere der Verdauungsorgane,
Bluthochdruck,
Bettnässen bei Kindern,
gegen Schlafwandeln,
Augenleiden (z. B. Saftspritzer aus Pfanne ins Auge),
um die Anwendungsgebiete hier zu beenden.
Traurige Berühmtheit erlangte das Johanniskraut in der Zeit der
Hexenprozesse, als mit ihm der Teufel ausgetrieben werden sollte. In diesen
Rahmen passt die Verwendung bei
„Besessenheit“, deren damals nicht bekannte Ursachen sicherlich Hysterie
bzw. Epilepsie waren.
Dass es bis zum Ende des Mittelalters als Kopfschmuck an Johannis vor Be-oder
Verhexung und als Schutz vor Blitzschlag verwendet wurde, ist eine andere
Seite des Aberglaubens.
Als die Medizin erkannte, dass das Johanniskraut ein regelrechtes Wundermittel
in der
Wirkung auf das Nervensystem war, wuchs seine Bedeutung ins Grenzenlose. Es
ist
kein Beruhigungsmittel wie z.B. Baldrian, Hopfen oder auch Melisse. Es löst
und heilt bei längerer Anwendung depressive Verstimmungen, nervöse Unruhe,
Erschöpfung und nervöse Organ-und Schlafstörungen.
Es hellt die Psyche auf, denn:
In der goldenen Blüte ist die Klarheit der Sonne, das Licht, die Helligkeit.
Im roten Öl spiegelt sich das Blut, es gibt unsagbare Lebens-und Heilenergie.
Jetzt ist noch der Zeitpunkt, das heilkräftige Johanniskrautöl, auch Rotöl
genannt, selbst auf einfachste Art und Weise herzustellen: Blüten pflücken,
in Glas mit breiter Öffnung geben (z.B. sauberes Honigglas), soviel Olivenöl
dazu gießen, dass die Blüten immer bedeckt sind. Das gut verschlossene Glas
wird 8 – 10 Tage in die Sonne gestellt und mehrfach geschüttelt bzw.
gewendet. Danach wird das Rotöl abgeseiht und in geeignete Flaschen eingefüllt.
Es kann äußerlich wie innerlich angewendet werden. Soviel selbst
produzieren, dass der gesunde und heilende „Schatz“ bis zur Blütezeit im
nächsten Jahr reicht.
Die Teezubereitung ist ebenso einfach. Das blühende Johanniskraut über der
Erde
abschneiden und die Büschel mit der Blüte nach unten im Schatten trocknen.
Das getrocknete Kraut in geeignete Behälter geben. Eine Prise (die Menge, die
man mit 3 Fingern fassen kann) mit einem halben Liter heißem Wasser überbrühen
und ca. 5 Minuten ziehen lassen. Hierbei gilt, dass durch Variieren das
individuelle Geschmacksvolumen herausgefunden wird.
Neben den obigen Anwendungen gibt es mannigfache Bereitungen, z.B. Tinkturen,
Salben, Haarfärbemittel usw. Die beste Anwendung ist, das Johanniskrautöl
(Rotöl) täglich äußerlich und innerlich anzuwenden, wobei es durchaus auch
als Salatöl dienen kann, damit schon die „Kleinen“ die Heilkraft in sich
aufnehmen.
Ein tägliches Ritual könnte sein, nach dem Zähneputzen und dem Ausspülen
des Mundes mit Wasser bzw. Solewasser einen Esslöffel voll Rotöl im Munde
solange hin-und herzubewegen und mit der Zunge das Zahnfleisch massieren, bis
die Schleimhäute das Öl aufgenommen haben. Davon profitiert das gesamte
„Innere“, Blut und alle Organe werden gestärkt, der Tag fängt gesund an.
Wenn weitere Einzelheiten über das Johanniskraut und seine erforschten
Inhaltsstoffe
erfahren werden wollen, wird um Anfrage gebeten.
© Eberhard Glänzer
Spessart Akademie
für gesundes Leben
und naturheilkundliche Information
http://www.spessart-akademie.de
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